Wal

Im kalten, graublauen Wasser der Ostsee
schwamm ein junger Wal, viel zu weit ent-
fernt von den tiefen, weiten Ozeanen, die
er eigentlich sein Zuhause nannte.
Niemand wusste genau, wie er hierherge-
kommen war. Vielleicht hatte er sich verirrt,
vielleicht hatte ihn die Neugier zu weit
getragen. Doch nun war er allein.
Die Ostsee war anders als alles, was er
kannte. Das Wasser schmeckte fremd, die
Geräusche waren gedämpft, und die ver-
trauten Rufe seiner Artgenossen blieben
aus. Manchmal hielt er inne und lauschte,
hoffte auf ein Echo, ein Zeichen, dass
irgendwo da draußen noch jemand war.


Auf einmal konnte er nicht mehr
schwimmen, er war gestrandet
Er war nicht mehr frei – da war dieses Netz
in seinem Maul das ihn behinderte.
Da waren die lauten Geräusche
die er nicht kannte.
Die Menschen wollten ihm helfen
Armer Wal
© Klaus Bolz 2026